Eindrücke vom Schüleraustausch mit der Mesrop Maschtoz Schule in Jerewan/Armenien vom 15.09.-27.09.2019

Unser diesjähriger Schüleraustausch beschäftigte sich mit dem Thema „Unser täglich Brot früher und heute“. Im Vergleich zu unseren landwirtschaftlichen Bedingungen erkennt man in Armenien deutliche Unterschiede. In Armenien, auch „Land der Steine“ genannt, ist es für die Bauern schwierig, Maschinen in ihrem Alltag zu integrieren. Zudem stammen die meisten vorhandenen Maschinen, wie beispielsweise Traktoren, noch aus Sowjetzeiten und sind demnach mehr als 30 Jahre alt. Durch diese Umstände gewinnt das Wort Handarbeit in Armenien große Bedeutung. Außerhalb des Stadttrubels von Jerewan erstrecken sich große Flächen an Land, auf denen unter anderem Getreide, Mais, Kartoffeln und Rüben gedeihen. Wir merkten schnell, dass Obst, Gemüse und Wein in Armenien besser schmeckten, da die klimatischen Bedingungen für süße Früchte offensichtlich besser als in Deutschland sind. Doch dieser Vorteil fällt den armenischen Bauern auch oft auf die Füße, da es durch die im Sommer entstehende Hitze zu Feldbränden kommt. Dennoch sind die Armenier stolz auf ihr Land und ihre Traditionen, was wir auf unseren Tagesausflügen spürten.

Der christliche Glaube hat in Armenien eine hohe Bedeutung, Kirchen und Kreuzsteine erschienen häufig auf unseren Wegen. Armenien wird aufgrund dessen auch „Land der tausend Kirchen“ genannt.

Unser erster Tag galt der Erkundung Jerewans, der Hauptstadt Armeniens. Schnell bemerkten wir das Flair einer Großstadt mit vielen Sehenswürdigkeiten, Prachtstraßen, Wasserspielen, dem mythischen Berg Ararat, aber auch der Schere zwischen arm und reich.

Am zweiten Tag wurden wir von der Schulleiterin, Margarita Harutunyan, herzlich begrüßt. Wir erlebten die Übergabe der Zertifikate an die armenischen Schüler für die bestandene Deutschprüfung. Mit jüngeren Schülern gestalteten wir den Deutschunterricht, gemeinsam sangen wir deutsche Lieder.

Unser Projekt führte uns auf das Land, durch die wunderschöne Landschaft Armeniens. Hier erlebten wir, wie das typische armenische Brot gebacken wird, wir töpferten und gestalteten sogenannte Glücksbringer nach armenischem Brauch.

Wir besuchten Edschmiatsin, den Sitz des Katholikos. Die Besichtigung des Tempels Garni und des Höhlenklosters Geghard fehlen bei keinem Besucher Armeniens. Der Trank aus der Felsenquelle wird uns hoffentlich Gesundheit bescheren. Unser Aufenthalt war auch auf dem Buchstabenfeld. Hier wird auf monumentale Weise das armenische Alphabet mit 36 Buchstaben wiedergegeben. Der heilige Mesrop Maschtoz, dessen Namen unsere Partnerschule trägt, hat diese Buchstaben 403-404 n.Ch. erschaffen.

Am 20.09. 2019 fuhren wir nach Van Ardi in das gleichnamige Weingut. Der Wein wird dort per Hand gelesen. Jeden Tag wird dem Wein klassische Musik vorgespielt und eine schwere Glocke geläutet, was in den Früchten positive Energie hervorrufen soll. In Armenien herrschen durch die mineralreichen Böden und reichlich Sonne sehr gute Voraussetzungen für süßen Wein. Der Tag fand seinen Ausklang mit dem Besuch der Oper, wo wir das Ballettstück „Maskarad“ sahen. Berauschende Musik, extravagantes Ballett und farbenprächtige Bühnenbilder begleiteten uns zur Nacht.

Der nächste Tag führte uns zum Sevansee. Er ist der größte See Armeniens. Obsidiane funkelten an der Wegstrecke, sie verführten uns Erinnerungsstücke aufzusammeln. Am See streichelte uns ein leichter warmer Wind und der blaue Himmel spiegelte sich auf der fast glatten Wasseroberfläche. Die verführerische Kulisse lud zu einem Sprung ins kühle Nass ein.

Unser letztes Ziel war der zweitägige Ausflug in das Kaukasusgebirge nach Dilijan. Auf unserem Weg, vorbei an majestätischen Bergen und einsamen Dörfern, begegneten wir zahlreichen Viehherden. Manchmal wurden sie durch Reiter auf flinken Pferden zusammengehalten oder sie liefen frei vor unseren Augen über die Straße. Das Zitat einer Armenierin ließ uns schmunzeln, aber auch nachdenken: „In Deutschland stehen die Kühe im Stall. Sie sind dick und ihr Fleisch schmeckt nicht“.

Langsam näherten wir uns dem Höhepunkt des Tages, dem Flug per Ziplining über die Schluchten des Kaukasus. Das war ein Erlebnis, was wir niemals vergessen werden. Die Aussicht über die Berge, dem Himmel entgegen, dann rasant ins Tal und die amüsante Stimmung ließen eine besondere Atmosphäre entstehen. Der Tag neigte sich dem Ende mit der gemeinsamen Zubereitung des Abendessens am offenen Feuer. Henriette entwickelte sich zur Meisterin für meterlange Fleischspieße. Gute Unterhaltung und allerlei Gesellschaftsspiele sorgten für Stimmung. Die Kühle des Kaukasus ließ uns dann doch ins Bett verkriechen, bis uns Herr Tischner am nächsten Morgen durch seinen sogenannten Frühsport zu neuem Leben erweckte. Auf zur Fahrt gen Jerewan!

Hier angekommen hieß es Koffer packen und Platz schaffen für all die schönen Erinnerungsstücke, Abschied nehmen am Platz der Republik mit den imposanten Wasserspielen und der klangvollen Musik.

Unser Schüleraustausch endete am Abend mit einem Treffen von Eltern, Schülern und Lehrern. Allen mundete noch einmal die armenische Küche. Eine Lasershow gepaart mit einem Musical versetzte uns ins Staunen. Der Abend verlief sehr freundschaftlich, alle waren aufgeschlossen und hatten keine Scheu mehr vor dem Tanz, auch nicht vor den einstudierten armenischen Tänzen. Wie ein Sprichwort sagt: „Wenn es am Schönsten ist, ist Schluss.“

Unser Dank richtet sich an unsere Partnerschule und die Familien für den herzlichen Empfang. Frau Dreisow und Herrn Tischner danken wir für die Organisation und Begleitung der Reise. Beim Kultusministerium Sachsen- Anhalt und dem Pädagogischem Austauschdienst in Bonn bedanken wir uns für die Ermöglichung und Unterstützung des Schüleraustausches. Nicht zuletzt danken wir unseren Lehrern, die uns helfen die Versäumnisse nachzuholen.

P.S.  Alle Schülerinnen, Alexandra, Luca, Melissa, Henriette, Anna, Laura, Annelie, Josie und Clara können den Austausch sehr empfehlen, man sammelt viele Erfahrungen, schließt enge Freundschaften, blickt in eine neue interessante Kultur, ein Erlebnis mit Nachhaltigkeit.

Josie Schorcht und Clara Lange

Oktober 2019

 

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