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Jun 12

Anzug und enges Kleid: „Antigone“ in Leipzig

Im Rahmen des Deutschunterrichts besuchten wir, die Klassen 9c und 10b des Burgenland-Gymnasiums Laucha, gemeinsam mit den Lehrerinnen Frau Große und Frau Werner das Theaterstück „Antigone“ aus der Feder des antiken Dichters Sophokles. Es ist ein historisch bekanntes Stück, welches im Theater Leipzig neu aufgearbeitet wurde und eine Mischung aus alt und neu beinhaltet.
Wie es im antiken Griechenland so üblich war, setzt die Tragödie vor allem auf Dramatik. Frei nach dem Motto: „Das menschliche Leben beruht auf Leiden“ trifft jede vorkommende Figur schwere Entscheidungen und muss mit den Konsequenzen ihres Handelns leben. Dabei sind die Themengebiete breit gefächert und auch auf unsere heutige Welt anwendbar. So steht vor allem die Frage der Schuld im Vordergrund, mit der sich die Protagonisten auseinander setzen müssen.
Aber wovon genau handelt dieses Stück eigentlich?
Antigone ist eines von 4 Kindern des Ödipus. Dieser dankte ab, um sein Land seinen beiden Söhnen, Polyneikos und Eteokles. zu vermachen. Beide geraten jedoch in einen Streit, was zur Folge hat, dass Polyneikes aus der Stadt flieht, nur um diese dann später mit einer Armee einnehmen zu wollen. In diesem Krieg um Theben tötet sich das Geschwisterpaar gegenseitig, sodass der Thron gemäß griechischer Gesetze an den Onkel der beiden, Kreon, übergeht. Frauen sind aus dem Thronerbe ausgeschlossen. Kreon bestattet Eteokles, der als Verteidiger der Stadt ehrenvoll starb, verweigert aber Polyneikes ein Begräbnis, da dieser in seinen Augen ein Verräter war.
An dieser Stelle kommt Antigone ins Spiel, und der im Schauspielhaus Leipzig dargestellte Auszug des Theaterstücks beginnt. Sie verlangt auch für ihren anderen Bruder Polyneikes ein Begräbnis und setzt sich über die Forderung Kreons hinweg. Darauf folgt eine Auseinandersetzung zwischen zwei Parteien, die beide starke Argumente vorzuweisen haben, und sich vor allem durch ihre gegenseitige Sturheit auszeichnen, welche mit einem blutigen Ergebnis endet.
In Anlehnung an die Theatergestaltung der Antike wurde im Schauspielhaus Leipzig mit Requisiten nur sehr sparsam umgegangen. Einzig ein graues Bühnenbild aus Metall, mit einem Gulliedeckel in der Mitte des Bodens, konnte man vorfinden. Was auf den ersten Blick leicht befremdlich wirkte, hatte jedoch auch seine Vorteile, so wurde man nicht von einem strahlenden Bühnenbild abgelenkt, und konzentrierte sich gezielter auf die Handlung der Figuren, die vor allem durch das Schauspiel der Akteure hervorstachen.

Je nach Aufführungsort und Übersetzung von Antigone kann die Tragödie anders umgesetzt werden. In Leipzig wurde das Augenmerk vor allem auf Kreon gesetzt. Mit Hilfe des Schauspielers wurde dem fiktiven Charakter Leben eingehaucht. Sein innerer Zwiespalt kam gut zum Ausdruck, was eine überraschende Abwechslung war. Die eigentliche Protagonistin Antigone empfand ich eher unsympathisch. Konnte man ihre Beweggründe zu Beginn, noch gut nachvollziehen, nahm dieses Gefühl im fortlaufenden Stück ab. Vergeblich wartete ich darauf, andere Fassetten ihres Charakters zu sehen, denn sie blieb in meinen Augen doch eher farblos. Auch andere Figuren, wie z.B. Antigones Schwester Ismene, Kreons Sohn Heimon und dessen Mutter Euredyke, blieben eher blass und im Hintergrund.

Trotz dieses Kritikpunkts war die Inszenierung recht ansehnlich, die Handlung, beruhend auf Sophokles Grundidee, war nachvollziehbar interpretiert und im Laufe der 60-minütigen Vorführung fühlte man sich gut unterhalten. Besonders interessant wurde der Chor umgesetzt. Er wurde in Form einer Person dargestellt, die die Meinung des gemeinen Volkes widerspiegelte, jedoch ihre Meinung nach Belieben änderte. Dabei muss man auch hier die schauspielerische Leistung unterstreichen.

Wie oben schon erwähnt, ist Antigone eine Mischung aus alten Grundsätzen und neuen Ideen. Dies ist auch an den schönen Kostümen erkennbar. So findet man Kreon im Anzug und Antigone in einem engen Kleid vor. Dem eigenen Geschmack ist überlassen, was man von dieser Idee hält.
Antigone(Quelle: http://blog.lvz-online.de/sammelsurium/files/2013/10/image1.jpg)

Fazit:
Antigone bietet spannende Unterhaltung und befasst sich mit grundlegenden Fragen, die einen auch nach der Aufführung im Kopf bleiben. Trotz kleiner Kritikpunkte war das Theaterstück gut umgesetzt, und ich würde es auch anderen weiter empfehlen. Es wäre jedoch besser, sich vorweg nicht zu umfangreich mit dem Stück auseinanderzusetzen, sodass die Spannung bis zur Inszenierung bleibt und die schauspielerische Umsetzung in vollen Zügen genossen werden kann. Es genügt, durch eine Einführung des Schauspielhauses einen Einblick in die Grundthematik zu erlangen und vielleicht sogar am Ende des Stücks mit einem Staunen den Saal zu verlassen. Denn das ist das größte Lob für die Schauspieler.

Victoria Precht, Klasse 10b

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