Vive l’amitié franco-allemande !

Jede gute Reise fängt mit einem kleinen und meist auch eher mittelmäßigen Kurs über die Alltagswörter des Ausflugslandes an. Mag es ein «Goede dag», «Hello» oder ein «Hola» sein. Nur bei uns läuft das alles etwas anders. Denn wir, die 9. bis 11. – Klässler unseres Gymnasiums, sprechen mehr oder weniger fließend Französisch, was uns bei dem Erstbesuch unserer französischen Austauschschüler im Herbst 2025 als auch bei dessen Gegenbesuch zugutekam.

            In einer Woche, vom 8. bis 13. März konnten wir viele tolle Erinnerungen mit unseren Austauschschülern sammeln. So waren uns viele Unterschiede, die zwischen uns herrschten, bereits seit unserem ersten Exkurs bekannt; so vertraten die Franzosen die Jahrgänge 7 bis 9. Auch fiel uns schnell ins Auge wie die Franzosen oft deutlich engere Bindungen zu ihren Lehrern aufrechterhielten, während sie auch ihre Sorgen und Bedenken anders kommunizierten. So war die Woche nicht nur eine aufregende wie beängstigende Reise in ein fremdes Land für unsere Freunde, sondern sie stellte auch eine Herausforderung für uns dar; mit dem versteckten Sollen und Dürfen einer anderen Kultur klarzukommen. 

            Es war ein warmer, orange-schillernder Frühlingsabend als die Franzosen vor unserer Schule, leicht verspätet, eintrafen. Johannes und Ulysse spielten nach kurzer Fahrt nach Hause eine Runde Tischtennis, während Jochem eine Tour durch den historischen Bauernhof von Laurence’ Großmutter erhielt, bevor sich auf die kommende Woche vorbereitet wurde.

            Zu Beginn der Woche stellten sich die Schülerpaare einer Rallye durch unser buntes Gymnasium. Dabei staunten die Franzosen über die Anzahl der Lehrer und das hübsche Glasgerüst, welches das Foyer unseres Gymnasiums stützt. Später setzte sich der Tag durch ihren Besuch in unseren verschiedensten Fächern und einer Tour durch Laucha zusammen, welche wir von eifrigen Einwohnerinnen erhielten. So blickten wir hoch auf den sich abzeichnenden, gotischen Kirchturm, lauschten den kräftigen, historischen Glocken der Stadt und stritten anschließend in einem Volleyball-Turnier um den Sieg. Am Abend revanchierten sich einige deutsche Schüler bei den Franzosen mit einer, diesmal in ihren Augen sündenhaften Version, des Raclettes. So gehören Nudeln, Pilze und Shrimps bei unserem exzentrischen Nachbarn nicht auf den Raclette-Grill.

Am Dienstag begab sich unsere Truppe kurzweilig nach Freyburg, um die grobe Statur der Neuenburg auch von innen zu betrachten und nachfolgend die lange Historie Rotkäppchens nachzuerleben. Folglich deckten sich die französischen Lehrer freudig mit einer großzügigen Ladung an Sekt aus Freyburg ein.

In eine ähnlich malerische Stadt begaben wir uns am folgenden Tag, an welchem wir nach dem kauzigen Quietschen der alten «Ille», den bereichernden Worten Frau Stanges über die Stadtgeschichte lauschten. Anschließend testeten die Franzosen in Naumburgs Innenstadt Windbeutel, Brezeln und Döner aus. Fortgesetzt wurde unser Abenteuer durch eine informative Tour durch den Kreuzgang, die Krypta, das Schiff und auch über die 2 Lettner des Doms, woran sich ein Atelier anschloss. In diesem stellten wir Kerzen und farbige Glasanhänger her, die nun unsere Häuser schmücken. Abgeschlossen wurde der Tag durch wilde Kugelwürfe, angeregte Gespräche und laute Schreie auf der Bowlingbahn.

Am Folgetag rasten wir früh morgens nach Leipzig und ließen die Massivität des Völkerschlacht-Denkmals mit offenen Mündern und zitternden Knien, nach seinen zahlreichen Stufen, auf uns wirken. Dann liefen wir durch die kleinen Gänge des zeitgeschichtlichen Forums und füllten nicht nur unser Verständnis von Erinnerungskultur nach, sondern auch das der Franzosen auf. Nach 2 erquickenden, freien Stunden in Leipzigs Innenstadt fuhren wir in unsere Glockenstadt zurück. An der Schule veranstalteten unsere Lehrer, mit Bestückung des Buffets durch die Eltern, den «bunten Abend». So spielten Konrad und Emma der 11. Klasse mehrere Stücke auf der Ukulele vor, in welche später der restliche Chor und alle Anwesenden in ein farbiges Konzert einstiegen. Der Abend klang laut in einem angeregten Durcheinander aus Gesprächen, Tänzen, Futtern und einer Diashow aller Erlebnisse aus.

An unserem letzten Tag war es noch längst nicht Zeit Abschied zu nehmen, stattdessen schwelgten wir in humorvoller Erinnerung an die Woche. Denn wir produzierten Interview-, Podcast- oder Musikvideos, um auf sie zurückschauen. Eines dieser bestand aus Interviews, welche die Franzosen planten und am vorherigen Tag in Leipzig mit unserer Hilfe aufnahmen, um die Bindung der Einwohner zu ihrer Stadt festzuhalten. 

Nachdem sich die Austauschschüler von unseren Familien verabschiedeten, taten wir dies auch ein wirklich letztes Mal. An diesem warmen Abend, rollte doch die eine oder andere Träne; gemischte Gefühle und tiefes Luftholen prägten den Abschied.

Ein Austausch kann so vieles sein, so bunt und so aufregend, aber vor allem ein Augenöffner für Verständnis anderer Länder, Kulturen und Menschen. Somit danken wir Erasmus und vor allem auch unseren Lehrkräften, die mit viel Leidenschaft und besonders viel Arbeit uns diese besondere Chance eröffneten!

– Johannes Dröschler (Klasse 9c) und Laurence M. Mielke (Klasse 11a)

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