Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage

 

Eine große Ehre war es ganz gewiss, ebenso aber eine hohe Verpflichtung für die Zukunft, als den Schülerinnen und Schülern unserer Schule am Abend des 16. Februar 2011 der Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ verliehen wurde.

In Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeinde Unstruttal war für die Verleihung ein Festprogramm gestaltet worden, bei dem das Konzert des international bekannten Ensembles Accademia Daniel den künstlerischen Rahmen bildete. Die Verleihung selbst nahm Frau Cornelia Habisch von der Landeszentrale für politische Bildung vor. Als sie Urkunde und Schild an Schulleiter Dr. Dieter Setzer, Schülersprecherin Julia Andreä und den Zwölftklässler Martin Herzig übergab, betonte sie, dass es sich nicht um eine Auszeichnung für bereits Geleistetes handele: „Es ist vielmehr ein Anspruch, den man jeden Tag einlösen muss, indem man für Toleranz, Achtung und Respekt eintritt, denn dies sind unschätzbare Werte.“ Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion, bei der auch Landrat Harri Reiche sowie der Pressesprecher der israelischen Botschaft, Yinam Cohen, das Wort ergriffen.

Wer sich, so wie unsere Schüler und Lehrer, zu den Zielen der Initiative bekennt, geht folgende Selbstverpflichtungen ein:

1. Ich werde mich dafür einsetzen, dass es zu einer zentralen Aufgabe der Schule wird, nachhaltige und langfristige Projekte, Aktivitäten und Initiativen zu entwickeln, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden.

2. Wenn an meiner Schule Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Hand-lungen ausgeübt werden, wende ich mich dagegen und setze mich dafür ein, dass wir in einer offenen Auseinandersetzung mit diesem Problem gemeinsam Wege finden, zukünftig einander zu achten.

3. Ich setze mich dafür ein, dass an meiner Schule einmal pro Jahr ein Projekt zum Thema Diskriminierung durchgeführt wird, um langfristig gegen jegliche Form von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, vorzugehen.

Die Grundidee der internationalen Initiative ist es, in allen beteiligten Ländern ein aktives schulisches Netzwerk gegen Rassismus zu schaffen. Dabei wird nicht nur der Rassismus im klassischen Sinn ins Auge gefasst, sondern alle Formen der Diskriminierung, wie zum Beispiel Ausgrenzungen aufgrund der  Religion, der sozialen Herkunft, des Geschlechts, körperlicher Merkmale, der politischen Weltanschauung und der sexuellen Orientierung.

Eine weitere, vor der Titelverleihung einzulösende Verpflichtung bestand darin, einen Paten zu finden, der unsere Schule tatkräftig unterstützt. Die Wahl der Schülerschaft fiel schnell auf Herrn Gunter Heise, der dieses Amt gern auf sich nahm und gleich bei der Festveranstaltung seine tatkräftige Unterstützung unter Beweis stellte.

Da unsere Schule durch ihre internationalen Partnerschaften die Begegnungen und den offenen Umgang mit verschiedensten Kulturgemeinschaften fördert und regelmäßige, pädagogisch vorbereitete Exkursionen in die Gedenkstätte Buchenwald durchführt, ist das Aufgabenfeld der Initiative bisher nicht unbestellt geblieben. Auch die einwöchige Ausstellung im November 2010 mit dem Titel „Wir hatten noch gar nicht angefangen zu leben“, trägt sicherlich zur Sensibilisierung der Schülerinnen und Schüler bei: auf zahlreichen Schautafeln wurde die erschütternde Situation junger Menschen gezeigt, die während der Zeit des Dritten Reiches in den beiden Jugend-Konzentrationslagern Moringen und Uckermark inhaftiert waren. Doch zeigen die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit in Laucha eben auch, dass die Sensibilisierung gegen jede Form des Rassismus eine permanente Aufgabe ist und dass die Erziehung zur Zivilcourage ein hohes Gut darstellt. Insofern ist es mehr als sinnvoll, dass unser Gymnasium nun in ein Netzwerk von bisher über 800 Schulen integriert ist.

Beeindruckt hatte mich, Autor dieses Textes, der Auftritt des internationalen Trios Accademia Daniel schon vor dem eigentlichen Konzert am Abend. Als wir am Morgen des gleichen Tages die Gelegenheit hatten, im Rahmen des Ethik-Unterrichts eine Diskussionsrunde von Schülern der 10. Klassen mit den Künstlern zu führen, zeigte sich, dass Toleranz und gegenseitige Akzeptanz reale, gelebte Tugenden sein müssen und können. Der aus dem peruanischen Lima angereiste Israeli Shalev Ad-El, die aus London eingeflogene Siebenbürgenerin Kati Debretzeni und der in Freyburg lebende Gambist Thomas Fritzsch bereicherten in ihrer sympathischen Art die Diskussion zur Toleranz mit zahlreichen Beispielen aus ihren Konzertreisen rund um den Globus. Aber auch die weltoffenen Beiträge der Schülerinnen und Schüler zeigten, dass ein guter Abschnitt auf dem Weg zur gegenseitigen Toleranz bereits beschritten ist.

                                                                                                              Gerhard Guthoff

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