Schüleraustausch Russland

Bereits kurz nach den Sommerferien, im Jahr 2009, machten 12 Schüler sowie eine unserer Russischlehrerinnen, Frau Wutke und der Schulleiter unseres Gymnasiums, Herr Dr. Setzer, eine spannende und erlebnisreiche Erfahrung. Unterstützt durch die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch nahmen wir an einem Schüleraustausch mit dem polytechnischen Gymnasium der russischen Stadt Nishnij Tagil teil. Wie mir später von meiner Austauschpartnerin  erzählt wurde, ist die Stadt mit ihren 400.000 Einwohnern eine Großstadt mit über 200 Industriebetrieben.

Nach einer anstrengenden  Anreise empfingen uns unsere Gastfamilien mit einer herzlichen Begrüßung. Obwohl es bei uns ja eigentlich üblich ist, dass Gäste bei ihrer Ankunft ihren Gastfamilien eine Kleinigkeit übereichen, erwartete mich bereits beim Eintreffen in meinem vorübergehenden Zuhause für die kommenden zwei Wochen ein liebevoll ausgewähltes Präsent.

Nach einer ausgiebigen Mütze Schlaf und unseren ersten kulinarischen Erlebnissen in Russland besuchten wir am nächsten Tag das Panzermuseum der Stadt. Für uns Mädchen war dies anfangs natürlich kein allzu spannendes Unterfangen. Das änderte sich jedoch recht schnell, als wir in der Halle mit den zahlreichen Panzern standen, auf denen wir nach Herzenslust herum- klettern konnten. Jeder deutsche Museumsdirektor wäre bei diesem Anblick vermutlich an die Decke gegangen, aber in Russland war alles ein wenig anders, das stellten wir während unseres Aufenthaltes immer wieder fest.

Ein absoluter Höhepunkt unserer Reise war definitiv die dreitägige Katamaranfahrt, welcher wir anfangs  doch eher skeptisch gegenüberstanden. Auf dem Weg zur Anlegestelle der floßartigen Katamarane gelangten wir an eine Säule, die genau auf der Grenze der zwei  Kontinente Europa und Asien stand.

Wir paddelten also am ersten Tag mit den Katamaranen durch die wunderschöne russische Landschaft und wurden dabei von zwei echten Naturburschen geführt. Einer von beiden war so mit der Natur verbunden, dass er sogar mit der Nase erschnüffeln konnte, wann es regnete. Das behauptete er zumindest. Unseren Campingplatz als wenig komfortabel zu bezeichnen, wäre eine absolute Untertreibung gewesen. Es gab keine Duschen, keine Waschbecken und als Toilette diente uns ein Loch im Boden. Das war aber alles nur halb so schlimm, da direkt neben dem Zeltplatz ein Fluss entlang floss. Auch wenn sich das erst einmal nicht wirklich gut anhört, hatten wir dort unheimlich viel Spaß. Wir konnten klettern, auch wenn die meisten von uns kläglich scheiterten. Zudem hatten wir die Möglichkeit, Bungee-jumping auszuprobieren. Einige lieferten sich beim Holzhacken einen regelrechten Wettkampf mit unseren Führern, einen von ihnen bezeichneten wir als Bärentöter, warum, das ist mir selber nicht mehr klar. Es gab dort auch die Möglichkeit, an einer  ganz typisch russischen Sauna (Banja) teilzunehmen. Wer darauf steht, sich mit einem Bündel Zweige schlagen zu lassen, für den ist diese Art der Sauna genau das Richtige. Ob man es glaubt oder nicht, am Ende der drei Tage wären wir alle sehr gerne noch länger dort geblieben, aber auf uns warteten noch einige andere interessante Unternehmungen.

 

Besonders der erste Schultag, welcher in Russland immer auf den 1. September fällt, war mehr als eigenartig für uns. Er wurde wie ein riesiges Volksfest gefeiert. Es ging sogar so weit, dass den Lehrern von den Schülern Blumen überreicht wurden. Aber, wie gesagt, in Russland ist so einiges ganz anders als in Deutschland. Die Schüler kleideten sich richtig vornehm für die Schule. Für die Jungen war ein Anzug Pflicht und die Mädchen trugen allesamt Kleider oder Hosenanzüge. Zudem durfte man auch nur schwarz, weiß und grau tragen. Da fielen wir mit unseren Sachen natürlich auf.

In den zwei Wochen, die wir in Russland verbrachten, besuchten wir noch die Stadt Jekaterinburg, gingen Schlittschuhlaufen, fuhren Gokart und trafen uns  häufig alle nach der Schule in einem sehr großen und gepflegten Park. Dort lernten wir auch einige andere Jugendliche aus der Stadt kennen. Wir hatten also sehr viel Spaß in Russland, umso schwerer fiel uns da natürlich der Abschied. Es kullerten viele Tränen, aber als wir dann im Flugzeug saßen, waren wir auch froh wieder nach Hause zu kommen. Im Nachhinein waren wir uns alle darüber einig, dass wir jederzeit wieder nach Russland fliegen würden.

Ein Deutscher, den wir in Russland ebenfalls kennengelernt hatten, sagte uns damals, dass man Russland entweder von Anfang an liebt oder hasst. Ich glaube, unser Urteil war einstimmig. Ein Land, in dem die Menschen so freundlich sind und das so viel zu bieten hat, muss man einfach lieben!

                                                                    Austauschschülerin Birgit Hofmann,

                                                                    Gabriela Wutke, Projektleiterin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.